Rehkitze vor der Mähmaschine retten

Erstellt am 26.07.2017

Im Monat Juni sind Rehkitze einer besonderen Gefahr ausgesetzt – den großen Mähmaschinen, die dieser Tage die hochgewachsenen Wiesen mähen. Die Rehgeißen legen für Gewöhnlich ihre Kitze gut versteckt in mitten der Wiesen ab. Wer durch eine solche Wiese streift, erkennt schnell die ovalen „Betten“ zusammengedrückten Grases der Rehe. Droht Gefahr, ducken sich die kleinen unerfahrenen Rehkitze noch tiefer in ihr Bett und sind sehr schwer aufzuspüren. Für einen Landwirt, der seine Mähmaschine bedient und durch die Wiese fährt, unmöglich. Jährlich werden so in Deutschland geschätzt über 100 000 Rehkitze Opfer von Mähunfällen.

Um dem Vorzubeugen ist eine gute Zusammenarbeit zwischen Landwirt und Jagdpächter nötig. Am Abend vor der Ankündigung der Mäharbeiten (Vermeidung von Gewöhnungseffekt) werden spezielle Scheuchen in den Wiesen aufgestellt. Hierbei wird mit allen drei Sinnen gearbeitet: Die für das Rehauge blaue Signalfarbe (ähnlich der Signalfarbe Rot für das menschliche Auge), eine nicht natürliche Geräuschentwicklung, sowie das Ausbringen von Gefahr-signalisierenden Duftstoffen.

Blaue Müllsäcke, angebracht an einen T-Ständer aus zwei einfachen Latten, werden in Abständen von ca. 50 m in die Wiese gesteckt. Auf der Querlatte wird in einer Bohrung ein im Wind drehbarer „Galgen“ aus starkem Draht aufgesteckt. Im Handel erhältliche Duftstoffe, basierend auf Buttersäure, die einen unangenehmen Geruch verbreiten, werden auf ein im Wind klapperndes und im Sonnen-/Mondlicht blitzendes Blech aufgebracht (ebenfalls im Handel erhältlich). Entfernt sich der Mensch wieder und „die Luft ist rein“, wird die Rehgeiß ihre Kitze schleunigst aus der Wiese entfernen. Kurz vor den Mäharbeiten werden die Scheuchen wieder entfernt. Dank dieses Einsatzes und dieser Methoden konnte die Zahl der Rehkitze, die Opfer von Mähunfällen wurden, in Ostfildern Jagdbogen II in den letzten Jahren drastisch reduziert werden.

Manuel M. Clauss, Willi Clauss, Sebastian Schweiger

Erstellt am 26.07.2017
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