Newsletter 2022 der Unteren Jagdbehörde Esslingen

Sehr geehrte Jagdpächterinnen und Jagdpächter im Landkreis Esslingen, erstmals möchten wir Sie in diesem Jahr zu aktuellen Themen aus den Bereichen der unteren Jagdbehörde, des Wildtierbeauftragen und des Veterinäramtes informieren. Hierfür haben wir Ihnen aus den jeweiligen Fachbereichen einige Informationen zusammen gestellt die Sie im Anhang finden.

 

Erstellt am

Sehr geehrte Jagdpächterinnen und Jagdpächter im Landkreis Esslingen, 

erstmals möchten wir Sie in diesem Jahr zu aktuellen Themen aus den Bereichen der unteren Jagdbehörde, des Wildtierbeauftragen und des Veterinäramtes informieren.

Hierfür haben wir Ihnen aus den jeweiligen Fachbereichen einige Informationen zusammen gestellt die Sie im Anhang finden.

Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen Daniel Ulmer, Landratsamt Esslingen SG 221 - Kreispolizeibehörde, Untere Jagdbehörde Wildtierbeauftragter 


Umzug der unteren Jagdbehörde

Die untere Jagdbehörde und Waffenbehörde zieht voraussichtlich am 14.03.2022 in den Verwaltungsneubau nach Plochingen um. Neue Anschrift ist: Am Aussichtsturm 7, in 73207 Plochingen. Die Telefonnummern und Emailadressen der Sachbearbeiter/innen ändern sich dadurch nicht.

Verlängerungen der Jagdscheine

Wie jedes Jahr können die Jagdscheine frühestens ab Mitte Februar verlängert werden. Ein Jagdschein kann nur ausgestellt oder verlängert werden, wenn eine förmliche Jagdhaftpflichtversicherung für die Dauer des beantragten Zeitraums vorliegt. Einzahlungs- oder Überweisungsbelege können nicht anerkannt werden.

Änderungen der Durchführungsverordnung zum Jagd- und Wildtiermanagementgesetzes (DVO JWMG)

Die geänderte Durchführungsverordnung trat am 01.Juli 2021 in Kraft. Die aktuellste Form kann auch im Internet unter www.landesrecht-bw.de eingesehen werden.

Hier die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Nach Einführung des Instituts der Stadtjägerin bzw. des Stadtjägers nach § 13a JWMG soll die Jagd nach § 13 JWMG vornehmlich durch diese durchgeführt werden, gleichwohl wird das bisherige, bewährte System beibehalten. Das heißt, der Grundstückseigentümer oder Nutzungsberechtigte kann weiterhin eine sachkundige Person mit Jagdschein beauftragen, die Fallenjagd im befriedeten Bezirk auszuüben. Ein Antrag muss nach wie vor bei der unteren Jagdbehörde gestellt werden.

Fallenjagd Änderung des § 8 DVO JWMG

Durch Änderung des § 8 Abs. 1 DVO JWMG und Änderung der Anlage 3 wurden die Fallentypen neu geregelt. Die bisherigen Fallentypen C (Betonrohrfallen) werden durch eine entsprechende Änderung der Definition der Fallentypen A und B miterfasst. Die Angabe der Maße wurde klarer geregelt (Größe Fangraumboden nach Auslösung). Der Fallentyp D (Schwanenhals und Eiabzugseisen) bleibt weiterhin so bezeichnet, um administrativen Aufwand durch Änderung der Bezeichnung gering zu halten. Bis zum 1. Juli 2021 angemeldete Fallen, die den Regelungen der bis dahin gelten den DVO JWMG entsprechen, dürfen weiterverwendet werden.

Die Verwendung von Fangmeldern wurde zugelassen. Somit kann die tägliche Kontrolle der Fallen entfallen, wenn ein entsprechender Fangmelder eingesetzt wird. Es muss gewährleistet sein, dass der Fangmelder nicht nur das Fangereignis meldet, sondern durch eine tägliche Selbstüberprüfung oder tägliche Überprüfung durch die jagende Person gewährleistet ist, dass das System nicht unbemerkt ausgefallen ist.

Die persönliche Kontrolle der Falle kann auch durch eine andere als die jagdausübungsberechtigte Person erfolgen, beispielsweise eine andere Jägerin oder ein anderer Jäger oder eine Person mit Fallensachkunde. Verantwortlich für die ordnungsgemäße Fangjagd bleibt aber die Person, die die Jagd mit der Falle ausübt.

Jagd- und Schonzeiten Änderung des § 41 JWMG und des § 10 DVO JWMG

Die allgemeine Schonzeit wurde verschoben (16.02.-15.04.) und die Jagdzeiten entsprechend durch Änderung der DVO angepasst. Durch Rechtsverordnung ist die allgemeine Schonzeit für Schwarzwild (zunächst befristet bis 28. Februar 2022) ausgesetzt. Das bedeutet, dass § 41 Absatz 2 Sätze 2 und 3 JWMG, solange die allgemeine Schonzeit für Schwarzwild ausgesetzt ist, keinen Anwendungsraum haben: Vielmehr ist wegen Aussetzung der allgemeinen Schonzeit die Bejagung des Schwarzwildes derzeit ganzjährig im Rahmen der sonst geltenden Bestimmungen zulässig. Der Elterntierschutz ist zu beachten (§ 42 Absatz 3 JWMG).

Verwendung von Nachtsichtaufsatz- oder Vorsatzgeräten, Verwendung künstlicher Lichtquellen

Mit dem Wegfall des sachlichen Verbotes in § 31 JWMG, sowie mit dem 3. Waffenrechtsänderungsgesetz neu eingefügten § 40 Absatz 3 S. 4 WaffG ist die Nutzung für Jagdscheininhaber für Nachtsichtaufsatz- oder Vorsatzgeräte, sowie die Verwendung von künstlichen Lichtquellen erlaubt. Es gelten aber die Regelungen zum Nachtjagdverbot weiter.

Zur Klarstellung: Ein Infrarotaufheller ist als eine für Schusswaffen bestimmte künstliche Lichtquelle ein verbotener Gegenstand nach Anlage 2 Abschnitt 1 Nummer 1.2.4.1. Der Jagdscheininhaber darf lediglich die eigentlich ebenfalls verbotenen Gegenstände (DualUse-Nachtsichttechnik) nach Anlage 2 Abschnitt 1 Nummer 1.2.4.2 für jagdliche Zwecke nutzen. Daher bleiben Geräte die über einen integrierten Infrarotaufheller verfügen weiterhin verboten. Ebenfalls verboten sind Geräte die ein eigenes Absehen haben.

Ladekapazität halbautomatische Langwaffen

Halbautomatische Langwaffen (sowohl Büchsen als auch Flinten) dürfen bei der Jagd verwendet werden, unabhängig der Ladekapazität der Waffe, so lange die Waffe nur mit fünf Patronen geladen ist.

Verbotene Magazine und Magazingehäuse:

Magazine und Magazingehäuse für Langwaffen die mit mehr als zehn Schuss geladen werden können sind verboten. Solche Magazine haben Bestandsschutz, wenn sie vor dem 13.06.2017 erworben wurden und bis zum 01.09.2021 der zuständigen Waffenbehörde angezeigt worden sind.

Wildtierportal Baden-Württemberg

Im November 2020 wurde das Wildtierportal offiziell freigeschaltet. Damit die angestrebten Ziele und die Funktionalität des Wildtierportals erreicht werden können, ist eine flächendeckende Registrierung der Reviere im Landkreis Esslingen erforderlich. Insbesondere im Hinblick darauf, dass die Streckenmeldungen zukünftig nur noch über das Wildtierportal eingegeben werden können. Die Erfassung auf Papier und das Versenden an die untere Jagdbehörde soll dadurch entfallen. Aktuell haben sich ca. 50% aller Jagdreviere im Landkreis Esslingen im Wildtierportal registriert. Auch die Abrechnung der Jagdförderung InfraWild ist nur noch über das Wildtierportal möglich. Das Portal wird stetig weiterentwickelt und es kommen neue Funktionen dazu. So sollen in Kürze das seitherige Streckenlisten-Beiblatt Kormoran implementiert werden, sowie das Wildtiermonitoring über die vorkommenden Arten in den Jagdrevieren über das Wildtierportal möglich sein. Der Landesjagdverband bietet zum Wildtierportal Online-Schulungen an.

Nutzen Sie diese Gelegenheit, da zum jetzigen Zeitpunkt die Nutzung des Wildtierportals ab dem Jagdjahr 2022/2023 verpflichtend sein wird! Eine Abgabe der Streckenliste in Papierform wird dann nicht mehr möglich sein.

Streckenlisten

Die Streckenliste für das Jagdjahr 2021/2022 müssen spätestens zum 15. April 2022 der unteren Jagdbehörde vorliegen.

Entweder müssen die Daten bis dahin selbständig für das jeweilige Jagdrevier ins Wildtierportal eingegeben werden, oder die Streckenlisten können in diesem Jahr auch nochmals in Papierform abgegeben werden.

Wir möchten darauf hinweisen, dass wer die Streckenliste nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig übermittelt ordnungswidrig handelt. In den vergangenen Jahren mussten hier einige der jagdausübungsberechtigten Personen angeschrieben und teilweise mehrfach aufgefordert werden, oder die notwendige Sorgfalt ließ sehr zu wünschen übrig. Im beiderseitigen Interesse bitten wir die Streckenlisten richtig und vollständig ausgefüllt, sowie rechtzeitig abzugeben oder eingepflegt zu haben. Verstöße können mit einem Bußgeld geahndet werden.

Informationen des Wildtierbeauftragten

Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Esslingen keine Nachweise oder Meldungen, die auf die Anwesenheit von Großraubtieren wie den Wolf oder Luchs schließen lassen. Im Landkreis Esslingen gibt es keinen bestätigten Nachweis für das Vorkommen der Wildkatze. Um Meldung von Hinweisen (Aufnahmen wildfarbener Katzen durch Wildkameras, Totfunde mit Verdacht auf Wildkatze) wird gebeten. Im Rahmen des Aktionsplans Wildkatze gibt es eine eigene Wildkatzen-Internetseite: www.wild-katze-bw.de, auf der alle Informationen gebündelt zur Verfügung gestellt werden.

Wildtiere und Risse melden

Um Meldungen zu relevanten Arten wird ebenfalls gebeten (Wolf, Luchs, Goldschakal, Wildkatze) Sie können entweder direkt an die FVA (info@wildtiermonitoring.de) oder an den Wildtierbeauftragten gesendet werden. Hinweise zu Luchs, Wolf und Wildkatze sollten möglichst schnell gemeldet werden. Hierfür stehen die Nummern der FVA 0761/4018-274 und 0173/6041117 (außerhalb der Bürozeiten).

Bitte melden Sie auch Totfunde, Sichtbeobachtungen und ungeklärte Risse mit Verdacht auf Luchs- oder Wolfsriss schnellst möglich an den Wildtierbeauftragen.

Kontakt Wildtierbeauftragter:

Daniel Ulmer, Pulverweisen 11, 73726 Esslingen, Tel: 0711 3902-42717, Email: ulmer.daniel@LRA-ES.de

Anfragen der Bevölkerung

Für das Thema Wildtiere hat die Bevölkerung eine hohe Sensibilität entwickelt. Einerseits werden Wildtiere als reizvoller Bestandteil der Umwelt betrachtet, andererseits kommt es immer wieder zu Konflikten mit Wildtieren, hauptsächlich im Siedlungsgebiet.

Im Jahr 2021 wurden deshalb rund 200 Anfragen zu Wildtieren an den Wildtierbeauftragten gestellt. Etwa 50 % der Anfragen beziehen sich auf Waschbären oder Füchse. Gefolgt von ca. 20 % der Anfragen zu Steinmarder oder Dachs. Ca. 20 % betreffen Schwarzwild und Rehwild. Die restlichen 10% der Anfragen betreffen Siebenschläfern, Insekten, Vögel und sonstiges.

Informationen des Veterinäramtes

Letztes Jahr wurden im Landkreis Esslingen bei 102 auf die Aujeszky´sche Krankheit (AK) untersuchten Schwarzwildproben drei positive sowie ein fraglicher Antikörperbefund festgestellt. Antikörperpositive Tiere können unter ungünstigen Umständen zu Virusausscheidern mit entsprechendem Ansteckungspotential werden.

Der Erreger der AK ist das Schweineherpesvirus 1, es stellt keine Gefahr für den Menschen dar. Hunde sind aber durchaus empfänglich für eine Ansteckung. Die Infektion führt dann innerhalb weniger Tagen zum Tod des Hundes. Behandlungsmöglichkeiten oder Impfstoffe gibt es nicht.

Hunde infizieren sich über die Aufnahme von erregerhaltigem Material. Daher ist eine Verfütterung von Aufbruch oder rohem Wildbret zu unterlassen und der sonstige Kontakt zwischen Jagdhund und Schwarzwild soweit es geht zu reduzieren um die Wahrscheinlichkeit für eine Ansteckung der Jagdhunde weiterhin gering zu halten.

Zudem wurde bei einem im Januar 2022 verendet aufgefundenen Feldhasen Hasenpest (Tularämie) nachgewiesen.  Bekanntermaßen ist die Hasenpest auf den Menschen übertragbar und kann u. a. durch direkten Haut-/Schleimhautkontakt, Einatmen oder auch den Verzehr von nicht durcherhitzten Lebensmitteln (Wildbret) zu einer Ansteckung führen. Auch eine Infektion ohne Kontakt zu einem infizierten Tier ist möglich z. B. über kontaminiertes Wasser, Insektenstiche und Zeckenbisse. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht bekannt.

In diesem Zusammenhang möchte das Landratsamt Esslingen auf das besondere Infektionsrisiko von Jägern hinweisen und folgende Verhaltensregeln für die Bergung von Feldhasen (Fallwild, krank erlegt) zur Untersuchung empfehlen:

  • Tragen von Einmalhandschuhen und staubdichter Atemmaske, ggf. Schutzbrille.
  • Luftdichtes Verpacken des Tierkörpers für den Transport.
  • Hunde vom Tierkadaver fernhalten, Zeckenprophylaxe anwenden.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Ulmer